Krebs und Kosmetik

Herzenssache – Interview mit Kerstin Schmid-Siklic

Als ihre Stammkundin an Krebs erkrankte, begann Kerstin Schmid-Siklic, ihren Beruf mit anderen Augen zu sehen. Um ihrer Kundin optimal helfen zu können, liess sie sich zur onkologischen Kosmetikerin weiterbilden. Als Dozentin gibt sie ihr Wissen heute an Kosmetikerinnen weiter.

Was hat Sie dazu bewogen, ein Ausbildungskonzept zur onkologischen Kosmetikerin zu entwickeln?
Kerstin Schmid-Siklic: Wie heisst es so schön: Meistens kommt es anders und selten wie man denkt! Das war an jenem Tag, als eine Kundin, welche seit Jahren zu meinen Stammkundinnen zählte, vor mir stand und mir eröffnete, dass sie Brustkrebs hat.

Wäre eine klassische Kosmetik-Behandlung überhaupt durchführbar gewesen?
Eine Brust wurde bereits entfernt und sie bat um eine Pflegebehandlung der vernarbten Hautareale unter Berücksichtigung ihres Portkatheters! Portkatheter? Und hier fingen die Fragen an: Darf ich eine Maske über den Port auftragen? Darf ich später die Dekolleté-Massage wie gewohnt über dem Port ausführen? Natürlich war ich fest entschlossen, alles so „normal“ wie möglich durchzuführen. Doch was wäre hier „normal“ und welche Produkte kämen hier zum Einsatz?

Wie hat sich Ihre Sicht auf die Arbeit einer Kosmetikerin durch dieses Erlebnis verändert?
Als Kosmetikerin war es mir schon immer wichtig, der Kundin das Gefühl zu geben, sich persönlich betreut zu fühlen. Das Kosmetikstudio abseits von Lärm und Hektik stand für Ruhe, Entspannung sowie ausgezeichnete Produkte und alles, was sich rund um das Thema Anti-Aging dreht getreu dem Motto „Jung, dynamisch, schön“. Heute, 18 Jahre später, kann ich sagen, dass dieser Moment zwischen meiner Kundin und mir eine grosse Veränderung für mich brachte und den Wunsch, diese Zielgruppe fachgerecht in der Kosmetikkabine zu behandeln.

Warum sollte man fachlich geschult sein, wenn man Krebspatienten helfen möchte?
Meine Erfahrung in der Kabine aus meiner aktiven Zeit als Kosmetikerin sowie viele Gespräche mit Onkologen und Krankenschwestern sowie Begegnungen mit Brustkrebs-, Darmkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs-Patientinnen haben mir vor Augen geführt, wie wichtig die fachgerechte Hautpflege bei onkologisch veränderter Haut ist! Leider gibt es dennoch immer wieder Kosmetikerinnen am Markt, die ohne spezielle Kenntnisse Krebspatienten „auf eigene Faust“ behandeln. Der Leidtragende hier ist in jedem Fall immer der Patient. Das darf nicht sein!

Was kann eine Kosmetikerin – von der Hautpflege abgesehen – für die kranke Kundin tun?
Auch wenn sich das ganze Leben für diese Patienten von heute auf morgen ändert, so wäre es doch schön, wenn manche Dinge einfach so bleiben könnten, wie sie vor der Erkrankung waren, wie z.B. der Besuch im vertrauten Kosmetikstudio.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift Beauty Forum, Ausgabe 05/2016. Das Interview führte Chefredaktorin Friederike Weiser.

Die Swiss Wellness Academy bietet seit Juni 2016 den Kurs „Onkologische Kosmetikerin“ mit Dozentin Kerstin Schmid-Siklic an. Weitere Infos auf www.swa.ch/kosmetik

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